The Humanized Interface

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Form Over Function – Wie Apple seine eigenen Prinzipien verkauft

von Thomas Klose am Donnerstag, 1. April 2010 · Noch keine Meinungen zu diesem Artikel

In Thema Hardware, Usability / Gebrauchstauglichkeit, User Centered Design, User Experience Design (UX)

Seit etwa zwei Jahren beobachte ich den Ausverkauf der Werte beim einstigen Vorreiter in Sachen Experience und User Centered Design Apple. Das begann seiner Zeit mit den gnadenlos verspiegelten Glasoberflächen der iMacs und MacBooks, die aus den Geräten zwar ein wunderschönes, begehrenswertes Designobjekt machten, die mit unzähligen Brillen und Kontaktlinsen erkämpften Errungenschaften der Arbeitsplatzergonomie allerdings mit Füßen traten. Zum Glück folgte mit Modellreihe zwei und nach vielen Protesten professionell arbeitender Macianer eine entspiegelte Version des MacBooks, die man sich allerdings mit einem Aufpreis erkaufen muss. Zudem ist sie nur ab dem 15″ Modell erhältlich.

Ein neues Kapitel öffnete sich mit dem Unibody Design der MacBooks. Die bereits bei den Plastikmodellen recht scharfen Kanten des Gehäuses erhielten durch die neue Aluminiumhaut der Klapprechner eine ganz neue Dimension. Ärgerlich ist das ganze deshalb, weil sich die Ecken und Kanten direkt unter den Handgelenken des Nutzers befinden. Nach mehrstündiger Nutzung zweifelt man unter Schmerzen an der Existenz eines Produkttestcenters ausgerechnet bei Apple und fragt sich, wer sich so etwas ausdenkt.

Für mich erklärt sich das leider nur damit, dass auch hier in den letzten Jahren massiv der Consumermarkt geentert wurde – auf Kosten derer, die Apple groß gemacht und über die Jahre die Treue gehalten haben: die vielen User, die einen Mac vor allem als leistungsfähiges Arbeitstier schätzen. Sicher, auch die haben nichts gegen gutes Aussehen, im Gegenteil. Dennoch verkauft sich der “schicke Look” in der Masse sicher besser, und für den Gelegenheitssurfer mag der hämisch anmutende Rat von Steve Jobs, man möge doch die Helligkeit erhöhen, wenn man sich auf dem Display spiegele, brauchbar sein. Ein acht- bis zehnstündiger Arbeitstag an einem verspiegelten, scharfkantigen Laptop erscheint in Zeiten steigender RSI-Patientenzahlen hingegen mehr als überholt.

Mit dem iPad wird jedoch eines sichtbar. Die Konsistenz der Designlinie soll um jeden Preis gewahrt werden. Apple hat mit der Multitouchoberfläche des iPhone zudem viel Erfahrung sammeln können. Eine davon dürfte die Abdeckung des Displays betreffen, die sehr robust sein muss, um der starken Beanspruchung durch Finger, Reibung, Schweiß und Dreck standzuhalten. Und so sehr hier sowie beim neuen iPad eine Abdeckung aus gehärtetem Glas Sinn ergeben mag (dem MacBook verleiht sie zudem mehr Stabilität), so wenig nötig ist sie bei einem Desktoprechner oder Laptop, der eben nicht über das Display, sondern über Tastatur und Touchpad bedient wird.

Ich bin sehr gespannt, wie lange man sich in Cupertino in diese Richtung “entwickeln” wird, denn mit zunehmender Durchdringung des Marktes dürfte auch die Zahl derer steigen, die Konstruktionsfehler an den Geräten bemängeln und die Rückkehr zur Nutzerzentrierung anmahnen werden.

Zumindest was die scharfen Kanten des MacBooks betrifft machte sich jetzt der Blogger John P. Luft und kommentierte diese Unvernunft in einem kleinen Youtube Video. Da es sich “ja nur um Aluminium handelt”, wie er sagt, rückte er seinem Laptop kurzerhand mit der Feile zu Leibe. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen – auch wenn ich nicht sicher bin, ob ich seinem Beispiel folgen sollte. Es ist halt schon schön…

YouTube Preview Image

Video via

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