Human Behaviour Design (1) – Eine Definition

Nachdem ich mich nun schon so lange und ausführlich mit dem Thema User Experience Design und User Centered Design befasse, glaube ich – zahllose Gespräche und Diskussionen, Bücher und Blogartikel namhafter (und nicht so namhafter) Autoren und Vordenker später – so langsam einen Eindruck davon zu bekommen, was diese Themen für mich bedeuten.

Unabhängig von den zahllosen Definitionen, die ich gelesen und mit denen ich – mal mehr, mal weniger – einverstanden war, möchte ich versuchen, User Experience Design und User Centered Design als nachhaltige und ganzheitliche Strategien und als Haltung, ja als Lebenseinstellung zu definieren. Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass die beiden Begriffe immer näher zusammenrücken. Und je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hatte ich das Bedürfnis, eine neue Begrifflichkeit und Interpretation zu finden.

Human // Sag nicht User wenn du Mensch meinst!

Zunächst einmal gefällt mir an beiden Begriffen das Wort “User” nicht. Es ist mir zu technisch, zu weit weg vom Menschen, um den es doch eigentlich gehen soll. Er wird auf eine Tätigkeit (using) reduziert, dabei bedeutet er doch soviel mehr. Er hat eine Geschichte, Fehler, Gefühle, Freunde, ein soziales Umfeld und er tut schlaue (und weniger schlaue) Dinge.

Behaviour // Sieh zu und lerne!

Der vorgenannte Punkt erscheint mir besonders wichtig: der Mensch handelt. Er trifft Entscheidungen und tut etwas und zwar in Abhängigkeit von Faktoren wie Umgebung, Kontext, Erfahrung, Stimmung, körperlicher Verfassung, Zeit und vielem mehr. Und genau hier liegt in meinen Augen der größte Nachholbedarf im Bereich der User Experience Betrachtungen. Dieses Feld viel zu komplex und vielfältig, als dass es von nur einer wissenschaftlichen Disziplin allein beleuchtet werden könnte. Nur ein breiter interdisziplinärer Diskurs kann das beheben und die Forschung im Bereich der Nutzerzentrierung voran bringen.

Design // Male nicht, erschaffe!

Design wird immer wieder fälschlicherweise auf einen kleinen und sehr visuellen Bereich reduziert. Das “hübsch machen” von Webseiten, das Gestalten von Designermöbeln, ja sogar das Malen von Bildern, zweifelsohne ein kreativer Akt, wird irrtümlich dem Design zugeschrieben. Sicher, Design ist kreativ und schöpferisch. Aber Design ist auch soviel mehr. Und, Design ist so sehr viel mehr etwas Anderes. Wer den TED Vortrag von Tim Brown (IDEO) kennt, weiß wovon ich spreche. Design ist verstehen und fühlen, ja mitfühlen. Denn Design beschäftigt sich mit Menschen und ihren Emotionen. Mit Menschen und ihren Problemen. Daher ist gutes Design immer auch und vor allem Problemlösung. Design ist Alternativen finden und abwägen. Und Design denkt ganzheitlich und grenzenlos. Unabhängig von Medien, Materialien, Formen oder Kanälen.

Im Folgenden nun der erste Versuch einer Definition.

Human Behaviour Design ist eine Haltung, die einen umfassenden und nachhaltigen Denk-, Konzeptions- und Gestaltungsprozess hervorbringt, der den Menschen und sein Erleben immer im Zentrum aller Bemühungen sieht. Ziel muss es sein, Mitgefühl (Empathie) für den Menschen zu entwickeln und zu verstehen, in welchem emotionalen, räumlichen und kulturellen Kontext (Verhalten & Motivation) er seine Aufgaben erfüllen muss. Im Ergebnis unterstützt Human Behaviour Design einen Nutzer bei der Erledigung seiner Aufgaben und bereitet ihm dabei ein nachhaltig positives Erlebnis.

Das Ganze ist noch ziemlich lang und hölzern, aber für einen ersten Versuch gar nicht schlecht. Charmant daran finde ich, dass mit dem Ausdruck Human Behaviour ebenfalls eine deutlicher Hinweis auf den Menschen und die Menschlichkeit mit all ihren Fehlern Unzulänglichkeiten gegeben wird.

Soviel für heute. Wird fortgesetzt…

Siehe auch:
User Experience Revisited – oder der Blick über den Tellerrand

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