The Humanized Interface

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10/GUI erfindet die Interaktion (beinahe) neu

von Thomas Klose am Donnerstag, 15. Oktober 2009 · Eine Meinung zu diesem Artikel

In Thema Forschung & Trend, Touch & Multitouch, User Interface (UI)

Einer meiner Studenten wies mich dieser Tage auf das folgende Video hin. Leider kam ich erst heute dazu, es mir anzusehen.

10/GUI ist ein in der Tat höchst interessanter, grundlegend neu durchdachter Ansatz der Interaktion. Urheber Clayton Miller analysiert zunächst die grundsätzlichen Bedingungen und Probleme derzeitiger Interfaces und deren Eingabegeräte. So kann man eine Maus zwar in der Regel entspannt bedienen, sie lässt die Interaktion aber nur in einem singulären Punkt zu. In Zeiten des Multi-Touch Hypes inakzeptabel. Auf der anderen Seite sind Multi-Touch Systeme insofern für den längeren professionellen Einsatz ungeeignet, als dass sie unzumutbare Belastungen der Arme (bei vertikalem Screen) und des Nackens (bei horizontalem Screen) nach sich ziehen. Zudem wird auf Multi-Touch Screens der Inhalt in der Regel durch die bedienenden Hände verdeckt.

Die Lösung ist dabei genauso simpel wie unspektakulär: ein vergrößertes Multi-Touchpad (horizontal), das sich mit zehn Fingern bedienen lässt, kombiniert mit einem gewöhnlichen Screen (vertikal). Beides ermöglicht eine entspannte Arbeitshaltung sowie die Bedienung per Multi-Touch.

Nun ist die Hardware nicht unbedingt das Highlight des Konzeptes. Vielmehr überdenkt Miller mit seinem Software Prototypen “Con10uum” die gesamte Benutzeroberfäche und deren bekanntes Bedienkonzept mit Fenstern und Mauszeiger neu. Alle zehn Finger werden in ihrer Position durch Kreise auf dem Screen markiert. Dies ermöglicht die Bedienung auf dem Touchpad, ohne den Blick vom Bildschirm abwenden zu müssen. Gleichzeitig verzichtet Con10uum auf die bekannte Fenster Metapher und reiht die Inhalte in einer Kette auf nur einer Ebene nebeneinander. Dies nimmt die Komplexität aus der Bedienung in mehreren Dimensionen.

Und schließlich etabliert Clayton Miller eine logische und relativ leicht erlernbare Kombination von Fingergesten. Damit werden Scrollen, Schieben, Zoomen und Sortieren der Inhalte, sowie das Starten von Applikationen mit allen zehn Fingern sehr intuitiv möglich.

Ich wäre sehr gespannt darauf, wie schnell man die Gesten erlernt, denn letztlich zeigt sich die wahre Bedienbarkeit eines neuen Konzeptes immer erst in seiner praktischen Anwendung. Derzeit handelt es sich jedoch noch um einen Versuchsträger, wie Clayton Miller über Twitter erläutert. So zeigt er etwa nicht, wie in Con10uum Texteingaben realisiert werden – ein wesentliches Element des Interface Designs – aber auch hier sind Prototypen zu erwarten.

Überzeugt bin ich allerdings davon, dass es genau diese grundlegend und radikal anderen Konzepte – und seien sie noch so klein – sind, die die Interfaceentwicklung weiterbringen. Multi-Touch für sich genommen ist eine inhaltsleere Technologie, die bisher nur in Teilen und auf bestimmten Endgeräten wie dem iPhone Sinn macht. Erst der ganzheitliche Blick auf Hard- und Software, die produktive Anwendung und Übertragung der Möglichkeiten und Chancen der Technologie auf die Probleme der aktuellen und bekannten Schnittstellen bringt den entscheidenden und vor allem nachhaltigen Fortschritt.

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